Flüchtlingsprojekt

Ausgangslage

Die Zahl der Asylbewerber war in Deutschland über lange Zeit hinweg rückläufig, steigt jedoch seit einigen Jahren wieder kontinuierlich an. Wurden im Jahr 2008 noch lediglich rund 28.000 Anträge gestellt, hat die angespannte Lage in den Krisenregionen dieser Welt im vergangenen Jahr (2013) nun zu mehr als 125.000 Asylsuchenden in der Bundesrepublik geführt. Maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen haben auch die Entwicklungen in Syrien, im Irak, in der Ukraine und Afghanistan.
Flüchtlinge in Deutschland wohnen meist in gemeinschaftlichen Notunterkünften bzw. Wohnheimen. Der Neuanfang in der fremden Umgebung fällt ihnen nicht leicht, da der Alltag von wirtschaftlichen und sozialen Nöten geprägt ist. Besonders Kinder und Jugendliche sind auf besondere Betreuungsangebote angewiesen, die von staatlicher Seite nicht immer bereitgestellt werden können.

Projektaufbau und Umsetzung

Baustein 1

Bewegungs- und Sprachförderung in der Grundschule sowie in der Sekundarstufe I in Kooperation mit der Sprachlernklasse und dem lokalen Sportverein

Alle schulpflichtigen Flüchtlingskinder in Oldenburg erhalten neben dem Regelunterricht eine zusätzliche Förderung in so genannten Sprachlernklassen. Mit diesen und weiteren interessierten Kindern wird in der Grund- und weiterführenden Schule gekickt. Dazu werden Methoden entwickelt, die in besonderer Weise eine umfassende Kommunikation und Kooperation erfordern. Die Durchführung des wöchentlichen Angebots erfolgt von Übungsleitern aus Vereinen oder der Universität. Die Kinder und Jugendlichen in den Grundschulen Kreyenbrück und Haarentor sowie der Oberschule Eversten und der Oberschule Osternburg erhalten das Angebot einer wöchentlich geplanten Fußball-AG für Flüchtlingskinder.

Baustein 2

Turniere in den Oldenburger Schulen mit dem besonderen Fokus der Flüchtlinge

Die Schüler sollen sich auch in Turnieren auf dem im Schulhof aufgebauten Soccer Court mit anderen Schülern messen. Mit dem Fußballspiel gelingt es, die kaum deutsch sprechenden Jugendlichen in kürzester Zeit zum Mitspielen und zum Üben zu animieren.

Baustein 3

Selbstorganisiertes Fußballspielen mit dem Soccer Court im Flüchtlingsheim, in den Jugendfreizeitstätten und Schulen

Die Stadt Oldenburg verfügt über ein breites Netz an Jugendfreizeitstätten und aktiven Personen in der Gemeinwesenarbeit. Diese Freizeitmöglichkeiten werden von den Flüchtlingskindern bisher jedoch kaum genutzt, was ohne Zweifel auch der abgelegenen Lage der Gemeinschaftsunterkunft geschuldet ist. Ziel dieses Bausteins ist es daher, die Kinder über den Fußball stärker in die Angebote der Stadt Oldenburg zu integrieren und auf diesem Weg gegenseitige Vorbehalte abzubauen.
Die Jugendfreizeitstätten in Oldenburg führen bereits seit mehreren Jahren das Projekt „Offener Fußball Oldenburg“ (OFO) durch. In diesem Projekt richtet jeweils eine Jugendfreizeitstätte ein Fußballturnier aus und empfängt die Freizeitstätten aus den Stadtteilen bei sich auf dem Gelände. Die Einteilung der Teams erfolgt mit Hilfe von bunten Leibchen, so dass bei jedem Termin eine Durchmischung der Teilnehmenden eine hohe Notwendigkeit der Kommunikation und Kooperation entsteht. An diesem Angebot nehmen auf Initiative des Instituts auch die Flüchtlingskinder der kommunalen Gemeinschaftsunterkunft teil. Zwei Feste wurden mit Hilfe des mobilen Soccer Courts des Präventionsrats Oldenburg auf dem Gelände am ehemaligen Fliegerhorst durchgeführt (siehe Anlage 1-2).
Der mobile Soccer Court des Präventionsrats ist ein Mini-Fußballspielfeld, das auf Schulhöfen oder dem Gelände von sozialen Einrichtungen aufgebaut werden kann. Infolge des Events im Flüchtlingswohnheim wird nun auch der Soccer Court regelmäßig von weiteren außerschulischen Partnern u. a. auch zur Regelerziehung genutzt.
Darüber hinaus stellt die Stadt Oldenburg den Flüchtlingen jede Woche eine Sporthallenzeit zur Verfügung. Dieses Angebot wird durch qualifizierte Übungsleiter geleitet und von den Flüchtlingen sehr gut angenommen.

Baustein 4

Pädagogische Berufsvorbereitung durch Sport (LOT = außerschulischer Lernort)

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit von Flüchtlingen sind in den letzten Jahren und Monaten immer wieder Teil der politischen Debatte gewesen. Für eine Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft ist die Teilhabe an der Berufswelt jedoch unerlässlich, die bereits im Prozess des Heranwachsens von ihnen kennen gelernt werden sollte. Wie bei allen Jugendlichen bestehen auch hier Unsicherheiten über die eigenen Stärken und Schwächen und das individuell geeignete Berufsfeld.
In der Stadt Oldenburg bieten die Oberschulen im Rahmen der Berufsvorbereitung den so genannten Lernortetag (LOT) an. In diesem Rahmen erhalten die Lernenden einmal wöchentlich über einen Zeitraum von sieben Wochen einen Einblick in verschiedene Berufsfelder, beispielsweise Bau, Metall und Hauswirtschaft. Seit dem vergangenen Jahr ergänzt das Projekt das bestehende Angebot um das Berufsfeld „soziale Arbeit“, in dem vor allem die Jungen, und noch stärker die Jungen mit Migrationshintergrund, deutlich unterrepräsentiert sind. Am exemplarisch gewählten Themenfeld „Fußball spielen mit Kindern“ erlangen die Jugendlichen einen Einblick in die Herausforderungen der pädagogischen Arbeit mit Menschen.
Hierfür lernen sie in Theorie- und Praxiseinheiten die wichtigsten Grundlagen wie beispielsweise die Strukturierung einer Übungsstunde, die Bedeutung der Aufsichtspflicht oder den Umgang mit Verletzungen. Zur Anwendung des neu erlangten Wissens übernehmen die Schülerinnen und Schüler an jeweils zwei Terminen den Sportunterricht in kooperierenden Grundschulen.
Im Rahmen des Projektes wird das Berufsfeld „soziale Arbeit“ nun besonders für Flüchtlingsjugendliche an den Oberschulen Osternburg und Eversten angeboten, da besonders viele Kinder aus den Gemeinschaftsunterkünften hier zur Schule gehen. Geleitet wird dieses Angebot von erfahrenen Studierenden, die bereits mehrere Durchgänge erfolgreich durchgeführt haben.

Mansur Faqiryar, aktueller Torwart der afghanischen Nationalmannschaft und des VFB Oldenburg und Schirmherr des Projektes „Bewegen, Kicken und Sprechen“.

Mansur Faqiryar

Schirmherr

Erste Ergebnisse

Fußball kann als niederschwelliges Angebot auch ohne Sprachkenntnisse gespielt werden
Sehr gute Resonanzen bei Fußballaktionen mit mobilen Soccercourts in Flüchtlingsheimen
Ein hoher Organisationsaufwand ist für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Akteuren im Projekt notwendig (mit Ehrenamt kaum realisierbar)
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